Zagreb

Reise

24 Stunden in Zagreb

Historisch, authentisch und unbeschwert findet Eva-Luise Schwarz den Charakter der kroatischen Hauptstadt.

Es mag eine EU Hauptstadt sein, doch selbst die stetig ansteigenden Besucherzahlen können den Charme und den regionalen Charakter Zagrebs keineswegs zunichtemachen. Sogar stark besuchte Lokalitäten sind noch nicht zu Touristenfallen verkommen und beim gemütlichen Schlendern bewegt man sich zwischen Straßenmärkten, Gehsteigcafés, malerischen Höfen und lebhaftem Nachtleben. Zagreb behält seine Authentizität und ist überschaubar genug für einen unbeschwerten urbanen Bummel voller Flair, reichen Traditionen und städtischem Treiben.

Kein Hotel liegt zentraler als das Hotel Dubrovnik, in dessen Restaurant wir gleich beim Frühstück die bunte Fülle am Hauptplatz beobachten können. Das Viersternehotel ist hochmodern ausgestattet und trotz zentraler Lage ein Hafen der Ruhe – schlichtweg der perfekte Ausgangspunkt, um auf Erkundungstour zu gehen. Am besten unternimmt man diese zu Fuß oder mit der Straßenbahn, die in einem dichten Netz die Stadt abdeckt. Mit der Zagreb Card, die man für 24, 48 oder 72 Stunden erstehen kann, fährt man unbekümmert mit allen Verkehrsmitteln in der gesamten Stadt.

Wir beginnen zunächst mit dem ältesten Verkehrsmittel: mit der Standseilbahn steuern wir den Hügel hinauf zur Altstadt, eine nicht allzu lange Fahrt in der weltweit kürzesten Zahnradbahn überhaupt, aber in jedem Fall kurios – ein schöner Start für unseren Stadtrundgang. Oben angekommen werden wir in der Strossmayer Promenade, direkt vor dem Lotršcak Turm, eingeladen, den Blick über die Stadt schweifen zu lassen. Wir erspähen Theater, Kathedrale, die Universität und viele weitere Wahrzeichen. Von hier aus ist es nur ein kurzer Spaziergang zum Markusplatz und der Markuskirche, ein großartiges Fotomotiv, nicht zuletzt aufgrund der bunten Kacheln auf dem Dach der Kirche, welche die Flaggen von Kroatien, Dalmatien und Slawonien abbilden. Auf diesem Platz, dem Zentrum der historischen Altstadt, stehen außerdem das Parlamentsgebäude und einige weitere historische Bauwerke. Ein spürbar geschichtsträchtiger Ort, wo, man glaubt es kaum, die Straßenlaternen noch von einem Laternenanzünder händisch bedient werden – täglich werden für das Anzünden und Auslöschen jeweils zwei Stunden in Anspruch genommen.

Gleich ums Eck ist auch das Museum der zerbrochenen Beziehungen, wo ich mir das eine oder andere Schmunzeln nicht verkneifen kann, denn obwohl der Schmerz einer Trennung sicher nichts zu lachen ist, werden hier gescheiterte Liebesbeziehungen mit Witz, Ironie und manchmal auch einer Prise Verrücktheit beschrieben.

Ein Museum, das den Nagel ebenso auf den Kopf trifft, ist das Museum der Illusionen. Faszinierend sind die optischen Täuschungen, schwindelerregend die geneigten Räume, rätselhaft die Puzzlespiele – ein fantastisches Erlebnis für die ganze Familie, und aufgrund der außergewöhnlich langen Öffnungszeiten die beste Alternative zu anderen geschlossenen Attraktionen.

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Kein Aufenthalt in Zagreb ist komplett ohne einen Besuch beim Dolac Markt nur einen Katzensprung vom Hauptplatz. Auf schier hunderten von Ständen wird hier täglich saisonales Obst, Gemüse, Honig, Käse und vieles mehr zu besten Preisen an den Mann und die Frau gebracht. Auch der Fischmarkt ist einen Besuch wert: wunderschönste Fische, Krabben, Oktopus und vieles mehr wird hier angeboten. Im Untergeschoß, dem geschlossenen Markt, finden wir außerdem eine herrliche Auswahl an Fleisch und trockene Waren wie Nudeln und Gewürze.

Zu Mittag zieht es uns ins Restaurant Apetit City, wo sich die Stadtmenschen zu einem stylischen Lunch oder einem romantischen Dinner treffen. Die Karte zieht einen interessanten Bogen zwischen modern europäisch und traditionell kroatisch, mit Speisen, die trügerisch einfach oder gar altmodisch erscheinen, die aber höchst raffiniert angerichtet sind und einfach köstlich schmecken.

Ungewöhnlich für eine Hauptstadt, aber umso herausragender, sind neben den Parkanlagen und Grünflächen auch Zagrebs Seen, die rund ums Jahr zum Sonnenbaden, Rudern, Joggen, Radfahren und von Frühling bis Herbst zum Schwimmen einladen. Jarun im Südwesten und Bundek im Süden wurden rein zum Vergnügen, Freizeitsport und zur Entspannung konzipiert und bieten saftige Wiesen, sauberes Wasser und breite Kiesstrände. Abends verwandelt sich Jarun zu einem Paradies für Nachtschwärmer mit freundlichen Bars direkt am Wasser.

Das Fünfsternehotel Esplanade ist zwar weniger zentral gelegen als das Dubrovnik, aber dafür etwas luxuriöser und eleganter ausgestattet, da es ursprünglich für Passagiere des Orient Express gedacht war. Der Zeitgeist dieses Art déco Hotels ist immer noch sehr präsent und das Restaurant Zinfandel’s ohne Zweifel eines der besten der Stadt. Im hauseigenen Le Bistro regiert die französische Küche, besonders stolz ist man hier aber auf die köstliche regionale Delikatesse Strukli, ein typisch kroatischer Strudel, aus dem gebackener Frischkäse quillt.

Inmitten der lebhaften Ivana Tkalcica Straße ganz im Zentrum, wo sich Jung und Alt gelassen in Cafés und Cocktailbars räkelt, entdecken wir das Restaurant Saft, ein Lokal mit adriatisch-globaler Fusionsküche. Menükarte gibt es keine, erzählt uns der nette Kellner, denn der Koch zaubert jeden Tag das auf die Teller, was er am Dolac Markt erstanden hat. Die Auswahl an frischen und hausgemachten Speisen reicht stets von Salaten, Pastagerichten und vegetarischen Optionen über Steak, Fisch und Meeresfrüchte mit abwechslungsreichen Gewürzen. Dabei beraten uns die Kellner äußerst freundlich und engagiert – ein frischer Wind unter den alteingesessenen Lokalen. Hier lassen wir den Abend beim Leutebeobachten genüsslich ausklingen.

Zagreb ist in der Tat zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Im Frühling finden großartige Literatur- und Designfestivals statt, Sommer und Herbst winken mit Musik-, Film- und Foodfestivals und im Winter verwandelt sich die Stadt in eine festliche Advent-Street-Party.

Croatia Airlines fliegt Zagreb von Österreichs und Deutschlands größten Flughäfen täglich an.

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