Argentinien, Foodizm

Reise

Atemberaubendes Argentinien

Argentinien – von den berühmten Iguazu-Wasserfällen, köstlichen Steaks bis hin zu schwingendem Tango hat das zweitgrößte Land Südamerikas so einiges zu bieten. Es erstreckt sich von den atemberaubenden Wüstenschluchten im Norden bis zur höchsten Spitze Tierra del Fuegos in Patagonien.

Wir starten in der Hauptstadt Buenos Aires, ein elektrisierender Ort wie kein zweiter, der nahtlos Neues mit Altem verbindet. Die lebhaften Straßen laden zum Entdecken ein und beim Spaziergang vorbei an Bäckereien voller cremiger Torten und kontinentalen Cafés an den Straßenecken bekommt man bald das Gefühl, die Stadt irgendwie schon zu kennen.

Argentinien, foodizm

In den gehobenen Restaurants wird nach altbekannter französischer Art serviert und die Geschäfte locken mit aus Europa importiertem Schnickschnack.

Es kommt nicht von ungefähr, dass sich dieses europäische Gefühl in den ganzen Stadt bemerkbar macht. Die Ankunft der spanischen Eroberer im 15. und 16. Jahrhundert hatte einen dramatischen Einfluss auf ganz Südamerika, aber es war zweifellos der Zustrom genuesischer Einwanderer im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, der die kulturelle Landschaft von Buenos Aires geprägt hat.

Dies ist in der prunkvollen Architektur – mit Kolonial-, Art Deko und neugotischem Stil – deutlich zu erkennen. Jedes beliebige Gebäude könnte in Paris, Barcelona oder Rom stehen, und ist eine Erinnerung an die dekadente Vergangenheit der Stadt. Ein gutes Beispiel für den Glanz der Jahrhundertwende ist das kürzlich restaurierte Teatro Colon – laut Luciano Pavarotti eines der besten Opernhäuser der Welt. Goldumrahmte Balkone behangen mit schweren Samtvorhängen, prächtige Kronleuchter in Fluren aus Marmorsäulen; solche Reichtümer stehen in krassem Gegensatz zu den ökonomischen Turbulenzen, die Argentinien in den späten 90er Jahren heimsuchten. Diese Zeit der Hyperinflation ist nun vorüber, und das Land entwickelt sich in rasendem Tempo.

Unterhaltung findet sich an jeder Straßenecke in der Gestalt von Tangotänzerinnen, deren rote Kleider sich gefährlich hoch am Oberschenkel teilen, und die sich in einer leidenschaftlichen Umarmung an ihre Partner klammern, während Gauchos (Argentinische Cowboys) in an Culotten erinnernden Hosen traditionelle Tänze mit Kosacken-ähnlichen Kniebeugen vorführen.

Nicht weit vom Trubel liegt der ruhige, abgelegene Strand von Carilo. Als Zufluchtsort für die Elite von Buenos Aires rühmt er sich mit wunderschönen Hotels und Unterkünften entlang der Küstenlinie. Auf dem Pferderücken geht es zur Salada Grande Lagune – ein atemberaubendes Erlebnis inmitten von sechstausend Hektar Flora und Fauna.

Argentinien
Buenos Aires

Argentinien hat sehr viel mehr zu bieten als seine Hauptstadt, und somit bringt uns ein dreistündiger Flug von Buenos Aires zu den Eisfeldern von Patagonien. Diese wunderschöne, wenn auch erbarmungslos windgepeitschte Prärie ist in einen eisigen Schimmer getaucht; es fühlt sich an wie eine der letzten unangetasteten Ecken der Erde, wo die Natur noch die Oberhand über dem Menschen hat.

Während der Sommermonate von November bis Februar sind die Tage lang und bei bis zu 24°C ideal für eine Trekkingtour durch den Los Glaciares Nationalpark, Heimat des Presto Moreno, einem der wenigen fortschreitenden Gletscher der Welt. Diese erstaunliche 5km lange Eismasse, die sich hinab bis in den Lago Argentino erstreckt, rutscht und kriecht pro Tag etwa zwei Meter weit.

Bei Sonnenuntergang ist der 60 Meter hohe Eishügel in ein orangenes Licht gehüllt, bei Sonnenaufgang schimmert er rosa, und im Laufe des Tages scheint es, als würden dunkelblaue Lichtstrahlen diese märchenhafte Kreation – die auch als riesige Hochzeitstorte durchgehen könnte – durchstechen. Näheres Betrachten – entweder von einem Boot bei einer organisierten Trekkingtour oder zu Fuß von einer der Aussichtsplattformen – eröffnet sogar noch größere Sinneswahrnehmungen. Bei jeden zweiten Schritt ändert sich die Perspektive und die Möglichkeiten für Fotomotive sind endlos. Flüsse, eingefroren in der Zeit, reihen sich durch Gebirgszüge; knorrige Baumstümpfe und Äste, vom Wind silbern geschliffen, bedecken den Waldboden wie Tote auf dem Schlachtfeld.

Visuelle Eindrücke gibt es genug, aber es sind die Geräusche, die Presto Moreno wirklich zum Leben erwecken. Säuseln, knallen, knarren und knacken – das Eis ist in ständiger Bewegung. Jeden Moment stürzen Blöcke hinab und bilden Eisberge im cremig silbrigen See.

An der Nordseite des Parks, eine dreistündige Busfahrt entlang der beeindruckend fotogenen Route 40, liegt El Chalten. Dieses kleine Städtchen ist der Ausgangspunkt für viele der besten Trekkingtouren der Umgebung. Der steile Aufstieg zum Lago de los Tres, eingebettet unterhalb der gezackten Gipfel von Mount Fitz Roy, ist schwierig, anstrengend und durch die orkanartigen Windböen von allen Seiten todesmutig. Aber er ist es wert; der Gipfel verbirgt einen türkisblauen See, umhüllt von dünnen rauchigen Wolkenschwaden.

Wo Patagonien mehr mit der eisigen Landschaft der Antarktis gemeinsam hat, erinnern die tropischen Wälder von Misiones im Nordosten Argentiniens eher an Postkartenbilder von Südamerika.

Ein fünfstündiger Flug von El Calafate über Buenos Aires, und schon fühlt man sich wie auf einem anderen Kontinent. Die größte Attraktion der Region sind die Iguazu-Wasserfälle, eine Reihe von 275 Wasserfällen und Stromschnellen, die sich Brasilien und Argentinien teilen. Ein kleiner Zug bringt Besucher zur Basis im Teufelsschlund, einer langen und schmalen Felsspalte wo die Hälfte des Flusswassers hinabstürzt, während zahlreiche Gehwege sich durch den Wald und unter Wasserfällen schlängeln, und ein authentisches Gefühl der faszinierenden Umgebung vermitteln. Der beste Blick auf die Wasserfälle mag zwar aus der Ferne sein, aber um wirklich seine Kraft zu verstehen muss man auf einem der „Catwalks“ näher heran kommen. Während man auf das hinabstürzende Wasser zugeht erscheinen kleine Regenbögen, die lang vergessene Kindheitserinnerungen aufkommen lassen. Von der Kakophonie aus Geräuschen und Schönheit überflutet haben diese Wasserfälle schon viele Fotografen inspiriert zu versuchen, das Wesen dieses Ortes einzufangen.

In Argentinien lässt einen die wahre Schönheit der Natur nie los – ein wahrlich majestätischer Ort für ein unvergessliches Reiseerlebnis.

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