Chilenischer Wein, foodizm

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Chilenischer Wein: Wo die Reblaus fehlt

Chilenischer Wein hat eine lange Tradition und wird auch in Europa immer beliebter. Die Südamerikaner haben damit lange vor den heute angesagten Weinländern Südafrika und Kalifornien begonnen. Verstecken müssen sich die Chilenen vor niemandem.

Bereits als spanische Kolonie baute Chile Wein an und exportierte diesen ins Mutterland. Waren es damals noch fast ausschließlich spanische Reben, so orientierte man sich nach der Unabhängigkeit eher an Frankreich, sowohl bei den Reben als auch bei den Vinifizierungs-Methoden. Als einziges Land der Welt von der Reblaus verschont, konnte man, nach der Zeit der Militärjunta, als das Land sich demokratisierte und öffnete, auf wurzelechte Reben zurückgreifen. Auch der falsche Mehltau ist in Chile bislang nicht aufgetreten. Daher können weniger Chemikalien eingesetzt werden, und auf die Veredlung der Rebsetzlinge kann komplett verzichtet werden.

Mitte der achtziger Jahre war der Weinexport Chiles noch marginal. Obwohl im Land seit der Kolonialzeit Wein angebaut und gekeltert wird, war die Qualität früher nicht auf Weltmarktniveau. So exportierte Chile 1985 Wein für gerade mal 10 Mio. US-Dollar.

13 Jahre später waren es bereits 550 Mio. US-Dollar. Auftakt des Booms war 1981, als die spanische Firma Miguel Torres im Zentraltal in der Nähe von Curico ein riesiges Weingut aus dem Boden stampfte. Es folgten zahlreiche Auslandsinvestoren, darunter Rothschild, Larose Trintaudon, Grand Marnier, Robert Mondavi und die Brüder Christian. Alles, was in Bordeaux einen Namen hat, versucht sich derzeit in Chile einzukaufen und Terroir zu erschließen.

Sie alle produzieren hochwertige Weine für den internationalen Markt. Nicht nur saubere Rotweine, speziell Cabernet Sauvignons, werden gekeltert, auch Weißweine gedeihen besonders gut in der Nähe der Küste. Klimatisch hat Chile die besten Bedingungen, was die Investoren natürlich erkannt haben.

Die Nähe der Anden zum Pazifik verursacht einzigartige Luft- und Temperaturströme. Dadurch entstehen starke Schwankungen der Tag- / Nacht-Temperaturen (bis zu 20° C), die sich positiv auf die Qualität der Weine auswirken. Der Niederschlag ist spärlich, so dass die Reben vorwiegend vom Schmelzwasser der Anden versorgt werden (teilweise durch Tropfenbewässerung). Hinzu kommt eine Palette von Bodenformationen (kräftige Schwemmböden, teils lehmig, teils mit vulkanischen Sedimenten). Diese verschiedenen Terroirs verleihen den Weinen unterschiedliche Eigenschaften in Bezug auf Aroma, Geschmack und Charakter.

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Gepaart mit ihrem fundierten Wissen bringt das immer weitere Überraschungen hervor. Die Qualitätsspitze in Chile ist noch nicht erreicht. Chile ist durchaus ein Land mit Weinbautradition. Bereits Mitte des 15. Jahrhunderts brachten die Spanier den Wein nach Südamerika und auch später kultivierten vor allem europäische Einwanderer immer wieder Reben.

Mit der Eroberung Südamerikas durch die Europäer beginnt auch die Weinbaugeschichte des Andenstaates. Über Mexiko erreichten die Spanier – und mit ihnen auch die ersten Rebstöcke – im 16. Jahrhundert Südamerika. Die Versorgung der Eroberer und religiöse Zwecke (Messwein, Abendmahl) erforderten Weinanbau auch dort, wo man ursprünglich auf der Suche nach Gold war. Die Haltbarkeit des Flaschenweins war zu dieser Zeit noch sehr begrenzt, die Wege der Schiffe waren lang. So blieb als einzige Lösung der Anbau vor Ort. Der Mönch Francisco de Carabantes gilt als erster, der Wein, wahrscheinlich der Sorte País, 1548 über den Hafen von Concepción in das Gebiet des heutigen Chile brachte. Doch schnell erkannten die Jesuiten- und Franziskaner-Orden, dass der Verkauf ihres Weins eine zusätzliche und willkommene Geldquelle darstellte. Zusätzlich wurde in einigen Teilen Chiles auch Land an Siedler vergeben, verbunden mit der Auflage, innerhalb eines Jahres Rebstöcke zu pflanzen – ansonsten konnte ihnen der Grund wieder entzogen werden. Mit den aus Spanien stammenden Rebsorten Albilho, Moscatel, País und Torontel wurde billiger Massenwein erzeugt – ausreichende Mengen, um den lokalen Markt zu beliefern und um Überschüsse nach Peru und Mexiko zu verschiffen. Der spanische Eroberer Francisco de Aguirre gilt als erster Winzer Chiles. Im Jahre 1549 pflanzte er die ersten Rebstöcke nahe des Pazifiks bei La Serena, das heute einen der nördlichsten Endpunkte des chilenischen Weinbaus markiert.

Lange Jahre wurden uns die chilenischen Weine vorenthalten, man produzierte nur für den eigenen Verbrauch. Dann jedoch entdeckten große europäische Namen das Potential dieses Landes. Weingüter wurden aufgebaut, übernommen und auf internationalen Standard gebracht. Dieser Aufschwung verwundert nicht, wenn man die ausgezeichneten Bedingungen Chiles für den Weinbau bedenkt. Hervorragende mineralische Böden, die die Notwendigkeit einer starken Düngung fast überflüssig machen, kaum Schädlinge und ein trockenes Klima mit starkem Temperaturabfall zur Nacht, lassen Trauben optimal gedeihen. Wenn dann die entsprechend ausgereifte Keltertechnik, wie sie die großen europäischen Hersteller beherrschen, hinzukommt, lässt das wunderbar ausgereifte Weine, schöne Cabernet-Sauvignons, Merlots und andere entstehen. Noch heute profitieren die Winzer dieses Landes (und nicht nur sie) von der uralten Hochkultur der Inkas. Große Teile des ausgeklügelten Bewässerungssystems gehen auf diese chilenischen Urahnen zurück. Es lohnt sich immer, einen guten chilenischen Wein neben einem europäischen Konkurrenten zu kosten, das Ergebnis ist oft überraschend.

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Aconcagua, das nördlichste der großen Weinbaugebiete Chiles, wirkt auf den Besucher meist fast unangenehm heiß und trocken. Erfolgreichen Weinbau würde man deshalb hier nicht unbedingt vermuten. Dennoch bringt diese Region mit die feinsten Weine Chiles hervor, da die Nähe des Meeres sowohl für kühle Morgennebel als auch für entsprechende kühlende Winde in den Weinbergen sorgt. Bestückt sind diese, wie mittlerweile in Chile üblich, mit den prominenten europäischen Reben, die in diesem Land besonders gut gedeihen (Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot, Sauvignon Blanc, Chardonay und ähnlich erfolgreiche Gewächse).

In Casablanca, einer sehr kleinen Weinbauregion Chiles, hat man erst spät im letzten Jahrhundert die Möglichkeiten für den Weinbau entdeckt. Aber auch hier finden die europäischen Sorten beste Voraussetzungen und man wird auch von dieser Region immer wieder hören, auch wenn naturgemäß die hier zu erzeugenden Mengen nicht für einen großen Markt ausreichen.

Nördlich der Maule-Region, in relativ gemäßigterem Klima, liegt die Weinbauregion Curico. Auch hier hat sich in den letzten Jahren eine beachtliche Weinkultur entwickelt. Die dominierenden einheimischen Sorten, vor allem der Pais, werden mehr und mehr verdrängt. Was nicht zum Nachteil ist, denn auch in dieser Region herrschen hervorragende Bedingungen für die Reben aus Übersee.

Maipo, wie Maule im Zentraltal gelegen, steht für chilenische Tradition im Weinbau. Europäische „Entwicklungshelfer“ haben schnell entdeckt, dass ihre Sorten wie Merlot oder Cabernet Sauvignon und viele andere hier aufgrund der klimatischen und geologischen Gegebenheiten phantastisch gedeihen. Im Süden von Santiago, der Hauptstadt Chiles gelegen, findet man auf Lehm- und Schwemmland hervorragende Bedingungen für den Weinbau. So kommt es nicht von ungefähr, dass hier die bekanntesten und erfahrensten Kellereien ihren Sitz haben.

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Maule ist das größte Weinbaugebiet Chiles. Wunderbare Chardonnays aus zum Teil uralten Kellern unterstreichen die lange Weinbau-Tradition dieser Region, aber auch die anderen hauptsächlich europäischen Sorten sind hier, neben dem heimischen Pais, erfolgreich angesiedelt worden. Unter dem Einfluss und mit Hilfe des Kapitals europäischer Investoren werden international anerkannte und beliebte Tropfen gekeltert.

Rapel ist das Gebiet mit recht gemäßigtem Klima, das weiter nach Süden immer kühler wird. Cabernet Sauvignon verdrängt auch hier nach und nach den heimischen Pais, u.a. auch ein Verdienst der ausländischen Investoren wie Chateau Lafite-Rothschild, das hier das mittlerweile berühmte Gut Los Vascos betreibt.

Chile verläuft wie ein langes, schmales Band von Nord nach Süd an der Küste des Pazifik. Dadurch ergeben sich verschiedene Klimazonen, die sich – je nach Klima – für bestimmte Weine eignen. Vier Anbauzonen sind es, südlich Valle-Sur, über Valle-Central und Aconcagua nach Coquimbo im Norden. Während im Norden eher Weißweine angebaut werden, wachsen die roten Sorten eher in den südlichen Anbaugebieten. Maipo in Valle-Central gilt als bestes Gebiet: der Rio Maipo verläuft hier und bewässert etwa 15.000 km² an Landfläche.

Carménère als Bordaux ist eine der beliebtesten Rebsorten Chiles. Hier handelt es sich um eine der ersten Sorten, die französische Einwanderer mit nach Chile brachten – heute werden genau diese Reben wieder nach Frankreich zurückgebracht, um sie dort wieder heimisch zu machen. Sauvignon Blanc ist bei den Weißweinen die am meisten geschätzte Sorte. Casa Lapostolle bringt hervorragende Rot- und Weißweine hervor. Pablo Morande bietet einige der wenigen chilenischen Weißweine. Botalcura tut sich mit verschiedenen, aber durchweg ganz hervorragenden Rotweinen hervor. Ein weiterer großer Name bei chilenischen Weinen ist Crucero der Familie Siegel in Valle de Colchagua.

Chilenischer Wein ist mittlerweile auch bei den Sommeliers in unseren Landen angekommen. So empfiehlt Erich Stadlhuber das Spitzenweingut Viu Manent in Chile. Miguel Viu Manent leitet seit 1966 das traditionelle Weingut, welches Mitte des 19.Jahrhunderts gegründet wurde. Bis 1990 lieferte er fassweise an große Kellereien, heute füllt er seine auch in Chile viel beachteten Weine selbst ab. Die Reben kommen von ca. 200 ha Rebfläche, verteilt auf 3 Estates mit speziellem Terroir im Colchagua Valley: Hacienda San Carlos, La Capilla und Olivar Estate.

Olivar Estate zählt zu den absoluten Entdeckungen – ein Spitzenweingut, dessen Weine in den internen, gedeckten Verkostungen chilenischer Weine vorderste Plätze belegt haben. Der 2008 Sémillon wird, um die Frische der Frucht zu erhalten, drei Wochen bei 14°C im Stahltank vergoren. Helles Gelb, frische Heublumenaromen, am Gaumen frisches Kernobst, Noten von Pfirsich und Marille und eine feingliedrige Säure machen diesen Wein zu einem Trinkvergnügen.

DieRebsorte Carmènere stammt ursprünglich aus dem Bordeauxgebiet, wo sie als launisch und nicht ertragssicher galt. In Chile hat sie eine neue Heimat gefunden und bringt dort interessante, eigenständige Weine hervor. Reinsortige Carmèmere findet man in Europa so gut wie nicht mehr. Ein kräftiger, beinahe etwas wilder Wein mit fruchtiger Kirsche, einem Hauch Eukalyptus und einem saftig – vollen Abgang.

Ein besonderes Weintraubenprodukt ist der Pisco, den sich allerdings die Chilenen nicht alleine auf die Fahnen schreiben können. Peru und Chile streiten sich darum, wer den Pisco erfunden hat. Dieser Weinbrand ist Nationalgetränk in beiden Ländern. Er wird aus Moscatel-Trauben hergestellt und pur oder als Mixgetränk oder in Cocktails verwendet. Der Pisco hat mindestens 35 % Vol., kann aber bei manchen Sorten auch 50 % Vol. und mehr haben. Für einen Liter Pisco werden etwa 7 kg Weintrauben benötigt. Zu Deutsch bedeutet Pisco in etwa „fliegender Vogel“, und man sollte aufpassen, dass einem dieser nicht im Kopf herumschwirrt, wenn man dem Pisco zugesprochen hat.

Hat Chilenischer Wein Ihr Interesse geweckt? Lesen Sie unseren Beitrag über Argentinischen Wein: http://foodizm.de/malbec-torrontes-und-das-reisefieber/

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