crowdbutching, foodizm

Gourmet

Die Crowdbutching Idee, oder: „Kauf ne Kuh“

Berend te Voortwis, Geschäftsführer des Crowdbutching-Unternehmens, spricht über sein Konzept, Fleisch einer gesamten Kuh online direkt vom Bauernhof an den Konsumenten zu verkaufen, und das ganz ohne Abfälle.

Aus welchem Sektor kommen Sie und wie kam es zu der Idee für Crowdbutching?

Meine Familie hatte für fast 30 Jahre einen eigenen Bauernhof und wir wollten immer schon Fleisch mit Qualitätsgarantie herstellen, gerade auch weil es immer wieder diese Fleischskandale gibt. Mein Vater war also ein großer Einfluss. Wir schlachteten unsere eigenen Kühe auf unserem Bauernhof, in sehr kleinem Rahmen. Die Hälfte der Kuh für unsere Familie mit sechs Kindern, und die andere Hälfte für Freunde. Dann kamen immer mehr Freunde und es wurden immer mehr Kühe, etwa 10 pro Jahr, also immer noch ein Hobby und in kleinem Rahmen. Das war etwa vor 20 Jahren. Mit der Zeit haben wir dann die Idee von dieser Verbindung der Bauern mit dem Endverbraucher weitergedacht. Und dann kamen wir auf die Idee, mithilfe des Internets Cowsharing zu machen. Eine Kuh zu teilen ist natürlich nicht neu, weder in Deutschland noch sonst wo auf der Welt – das wurde schon über Jahrhunderte gemacht. Aber online Cowsharing ist komplett neu und wir nennen es Crowdbutching.

Crowdbutching, foodizm
Berend te Voortwis, Geschäftsführer von Crowdbutching

Wie kann man Crowdbutching erklären?

Wir nehmen das jahrhundertealte System, Tiere unter verschiedenen Leuten zu teilen und passen es der modernen Welt an. Normalerweise wird ein Tier geschlachtet und erst dann wird nach Leuten gesucht, welche die verschiedenen Teile kaufen wollen. Das ist aber selten effizient und führt zu sehr viel Abfall. Solche Fleischprodukte werden in Containern aufbewahrt, gefroren, und auf dem ganzen Erdball verschickt. Das führt natürlich zu allen möglichen Nachhaltigkeitsproblemen und wir drehen dieses System einfach komplett um. Zuerst finden wir die Konsumenten, um eine Kuh zu teilen. Und erst wenn wir die Konsumenten gefunden haben, erst dann schlachten wir die Kuh, lassen sie abhängen und verschicken sie zu den Kunden nach Hause – von Kopf bis Schwanz. Es gibt keinen Abfall und wir haben absolute Transparenz. Wir wissen, wo das Fleisch herkommt.

Wie haben Sie die Bauern gefunden, mit denen Sie arbeiten?

Angefangen haben wir auf unserem eigenen Bauernhof und wir bemerkten, wie schwierig es für Bauern ist, wenn sie gut gezüchtete Tiere haben, einen Markt zu finden. Also haben wir ein bisschen Markforschung betrieben und es einfach selbst in Angriff genommen. Und so hat sich das Ganze weiterentwickelt und wir haben mehr und mehr Bauern getroffen, die auch dieses Problem hatten, die auch ihre Tiere an die Konsumenten bringen wollten. So wurden wir immer besser mit dem Marketing unserer Bauern.

Warum ist es für Bauern so schwierig, Konsumenten zu finden?

Gerade in Deutschland sind die Bauern recht zurückhaltend und haben Bedenken, in den Medien zu erscheinen oder im Spotlight zu stehen. Sie meinen es könnte negative Reaktionen auslösen. Aber wir sind auf diese Leute angewiesen für qualitative Produkte, also müssen wir sie zu Partnern machen. Zuerst waren wir selbst die Bauern und jetzt fungieren wir als Botschafter der Bauern.

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Woher kommen also die Tiere für Ihr Crowdbutching?

Unser Betrieb befindet sich in Überlingen am Bodensee, in der Nähe von Konstanz. Dort haben wir unseren Betrieb, wo sich auch das Schlachthaus befindet und die Bauernhöfe befinden sich in der Umgebung. Es ist eine wunderbare Gegend, weil es dort die größte Dichte an Bio-Fleisch in ganz Deutschland gibt. Die meisten Bio-Bauernhöfe befinden sich im Süden Deutschlands rund um den Bodensee. Aber auch in der Gegend rund um Hamburg gibt es fantastische Bauernhöfe.

Wie schnell ist Ihr Betrieb in den letzten Jahren gewachsen?

In Deutschland war es recht schwierig, unser Konzept in Gang zu bekommen, als wir Anfang 2016 angefangen haben. Aber jetzt, wo alles gut läuft, haben wir eine wirklich gute Resonanz. Unsere Kunden finden das Konzept fantastisch. Den ganzen Prozess, und wenn sie dann das Fleisch per Post erhalten – die Reaktionen sind großartig. Wir würden gerne expandieren und das tun wir auch, wir verdoppeln uns jedes Jahr – was bei einem so jungen Unternehmen normal ist. Wir sehen uns also auch in anderen Ländern um. Und wir möchten auch weitere Standorte in Deutschland eröffnen um es regional zu halten. Der nächste Schritt ist also, einen zweiten Standort zu finden.

Wie funktioniert der Kauf des Fleisches?

Der Prozess beginnt mit einem Bauern, der eine gut gezüchtete Kuh hat – sie hatte ein gutes Leben, hatte viel Auslauf und gutes Futter. Alles beginnt also mit dem Tier, welches zur Schlachtung bereit ist. Wir suchen diese Tiere aus, wenn wir sicher sind, dass die Tiere gut behandelt wurden. Als nächstes gehen wir online und finden Konsumenten, die ein Paket kaufen möchten und daran interessiert sind, woher das Fleisch kommt. Wenn wir genug Konsumenten gefunden haben, die eine Kuh teilen möchten, dann schlachten wir die Kuh.

Wie lange dauert es, bis der Konsument das Fleisch in Händen hält?

Es dauert etwa drei Wochen, bis das Fleisch ankommt, man muss also geduldig sein. Denn das Fleisch kommt nicht aus dem Kühlschrank, sondern von einem Bauernhof. Die Kuh wird regional geschlachtet, dort wo die Kuh herkommt, damit wir sie nicht zu weit transportieren müssen. Dann wird das Fleisch für 21 Tage abgehangen, das gibt einen tieferen Geschmack und macht das Fleisch weicher. Und schließlich machen wir daraus Hamburger-Laibchen, Würste und Hackfleisch, portionieren es also für ganz normal gängige Familiengerichte. All dies wird in einem Paket verpackt und verschickt. So funktioniert das.

Wie viel Auswahl hat der Konsument?

Wir haben 13 verschiedene Produkte und 28 verschiedene Gerichte, jeweils für zwei Leute. Man kann also auswählen, was man möchte, aber die Auswahl ist limitiert. Man kann also nicht nur Würste bestellen und kein Rindfleisch, oder nur Filet und kein Hackfleisch – so etwas ist unmöglich, weil sonst die Balance auseinandergebracht wird.

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Und es bleibt wirklich nichts vom Tier übrig?

Wir verwenden alle Teile des Tieres. Die Haut wird für Schuhe und Taschen verarbeitet, wird aber nicht über den Paketservice angeboten. Momentan arbeiten wir auch daran, Brühe aus den Knochen zu machen, das ist aber noch work in progress. Wir arbeiten also daran, uns stets weiterzuentwickeln.

Wie lange dauert es, bis eine Kuh verkauft ist?

Manchmal dauert es 50 Minuten, manchmal einen, manchmal zwei Tage, durchschnittlich also etwa 24 Stunden.

Gibt es vergleichbare Unternehmen oder ist das einzigartig?

Vor allem in Deutschland ist es normal, ein Schwein zu teilen. Dazu braucht man aber ein bisschen Organisation. Man braucht einen Metzger und man muss sich ausmachen, wer welchen Teil bekommt. Für manche Leute ist das ganz normal, aber nicht für alle. Für Stadtmenschen, die etwa in Hamburg oder Berlin leben, ist es schwierig. Sie möchten wissen, wo ihr Fleisch herkommt. Ein Tier also online anzubieten ist schnell und praktisch mit nur einem Klick – so etwas gab es noch nicht.

 

Sehen Sie sich auf der Website um und vielleicht möchten Sie ja auch eine Kuh kaufen? Hier geht’s zum Crowdbutching: https://www.kaufnekuh.de

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