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Hotelier: Gastgeber im Arlberg Hospiz Hotel

Ein weiteres Standbein für sein Arlberg Hospiz Hotel zu kreieren war Florian Werners Mount Everest. Was er am Arlberg noch so alles auf die Beine stellt, erzählt er Eva-Luise Schwarz.

In den Wintermonaten ist am Arlberg in Tirol Hochsaison – und das ist gut so. Um aber auch danach eine gewisse Attraktivität für seine Gäste auszustrahlen, hat sich ein scharfsinniger Hotelier im kleinen Ort St. Christoph etwas ausgedacht – und sich seinen Traum auch etwas kosten lassen. Florian Werner hat es sich in den Kopf gesetzt, das Arlberg Hospiz Hotel, welches eine lange und durchaus faszinierende Geschichte hat und welches er in der dritten Generation führt, für Kunst- und Musikbegeisterte zu erschließen. Er investierte in seine Idee und ließ eine Konzerthalle und eine Kunstgalerie auf 1.800m errichten. So kann er nicht nur den Kulturliebhabern unter den Gästen etwas bieten, sondern auch mit weltberühmten Künstlern während der Nebensaison eine neue Riege von Gästen in die Berge locken.

Arlberg Hospiz Hotel, foodizm
SKYFALL CHALET – ALBERG AUSTRIA

Florian Werner hat das Arlberg Hospiz Hotel in St. Christoph im Jahr 2000 übernommen. Zu jenem Zeitpunkt war er bereits seit 1993 bei seinen Eltern tätig und durfte davor eine weitreichende Ausbildung genießen. Werner begann seine Karriere ganz klassisch in der Hotelfachschule. Seine Wanderjahre startete er in Liechtenstein in der Küche. Weiter ging es nach Bermuda, wo Werner im Restaurant tätig war. Nachdem er die amerikanische Hoteluniversität in Cornell für einen Sommerkurs besuchte, ging es weiter nach Los Angeles als F&B Trainee im Bel-Air Hotel. Nach einem weiteren Stopp bei der Eröffnung des Peninsula Hotels in Beverly Hills ging es mit Peninsula nach Hongkong, wo Werner seine erste richtige Position, als Assistent Front Office Manager, ausübte. Er erzählt über seine Wanderjahre: „Es ist wichtig zu wissen, wie ein Koch fühlt und denkt und dass man sich in allen Bereichen auskennt – das sind ganz wichtige Erfahrungen, grundlegende Dinge. Für diese Art von Job muss man als junger Mensch all diese Bereiche durchlebt haben, nicht einfach nur studieren, sondern learning by doing. Und zu dieser Praxis gehört nicht einfach nur ein Praktikum über zwei Monate, sondern eben mehrere Jahre des Sammelns von Erfahrungen.“

Arlberg Hospiz Hotel, foodizm

Als er im Hotel seiner Eltern einstieg und es schließlich selbst ins 21. Jahrhundert brachte, blieb erst einmal vieles beim Alten. „Du kannst nicht kommen und sagen, jetzt wird alles anders. Das wird nicht funktionieren. Es handelt sich um Prozesse, bei denen ständig an Schrauben gedreht wird. Es sind Bereiche hinzugekommen, wie eben die Konzert- und Kunsthalle, in denen man wunderbare kulturelle Veranstaltungen machen kann, aber auch Kongresse und Tagungen.“ Was Werner aber auf jeden Fall antrieb, war das Wachstum des Unternehmens, im Laufe dessen er mehr und mehr Verantwortung an Mitarbeiter bzw. Abteilungsleiter abgab, denn irgendwann konnte Werner nicht mehr alles selber machen. „Wenn ich voll in das operative Geschäft einbezogen wäre, könnte ich mich nicht auf strategische Dinge konzentrieren, und auch nicht auf den Gast. Jetzt habe ich hingegen die Zeit, um anders zu denken. Ich habe den Rücken frei und kann sehen, wo es läuft und wo es Probleme gibt. Bei 160 Mitarbeitern und den vielen Gästen ist das eine ständige Herausforderung. Da braucht man Leute, die für einen da sind.“

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SKYFALL CHALET – ALBERG AUSTRIA

Das Hotel um eine Kunsthalle zu erweitern, war zugegebenermaßen nie eine Strategie Werners, der selbst passionierter Maler ist, sondern ist durch Zufall entstanden – mit der einmaligen Chance, die Idee auch zu verwirklichen. Als er für die Hochzeit seiner Schwester keine Geschenkidee hatte, ging er selbst ans Werk. Aus diesem selbst „etwas Malen“ war die Idee geboren und heute stehen Musikhalle und Kunstgalerie in St. Christoph ohne weiträumige Konkurrenz. Kunst und Musik im Hotel in den Bergen – ein Alleinstellungsmerkmal, denn wo andere Hotels Kunst ausstellen, ist es hier definitiv eine Nummer größer. Herbert Brandl, ein österreichischer Neoexpressionist der oberen Liga, der am Anfang des Jahres in der Kunstgalerie ausstellte, wird gefolgt von Hermann Nitsch, dem Wiener Aktionisten. Beides seriöse Künstler, die niemals in einem Hotel, jedoch sehr wohl in einer eigens dafür angelegten Kunsthalle ihre Werke zum Besten geben. Kunst und Kultur sind somit ein weiteres Standbein für das 631 Jahre alte Hotel und die Eröffnung der Kunsthalle im Herbst 2015 war laut Werner der stolzeste Moment in seiner Karriere: „Es war ein ganz spezieller Moment, weil es ein langer, harter, steiniger Weg war. Ich hatte immer meine Familie hinter mir und ein Team von Menschen, das mich unterstützte, aber es fühlte sich wirklich an, als hätte ich mit der Eröffnung von arlberg1800 den Mount Everest erklommen.“

Arlberg Hospiz Hotel, foodizm

Arlberg Hospiz Hotel, foodizmWas ihm an seinem Beruf am besten gefällt? Primär die Abwechslung, denn langweilig wird es im Hotelierberuf sicher nicht. „Nicht Hotelier – Gastgeber!“, besteht Werner auf seine Berufsbezeichnung. Denn im Gegensatz zu Hotelmanagern großer Ketten sieht sich Werner in seinem österreichischen Familienunternehmen als jemand, der „beim Gast und am Gast“ ist, der Leute trifft und mit ihnen auf Augenhöhe kommuniziert, seien es Familien, Politiker, Unternehmer oder Königshäuser, wie beispielsweise der König von Spanien, den Werner schon als Zehnjähriger kennengelernt hat. „Es ist schon sehr spannend, weil der Beruf des Gastgebers so facettenreich ist. Du musst wirtschaftliche Ahnung haben, natürlich auch vom Marketing, du musst guten Geschmack haben, etwa wenn es zur Renovierung der Zimmer kommt. Du musst viel wissen und es ist ein komplexer und aufwendiger Job – es wird einem garantiert nie langweilig.“ Und wo wird es dieses Jahr mit dem Arlberg Hospiz Hotel noch hingehen? „Mein Ziel für dieses Jahr ist, die Saison des Hotels mit der Kunsthalle und unserem Resort mit allen Betrieben, die dazugehören, zu verlängern. Der Plan ist, unseren Erfolg von vier Monaten auf so viele Monate wie möglich auszuweiten.“

Mit Künstlergrößen wie Hermann Nitsch, der ab Juli in der Kunsthalle arlberg1800 ausstellt, wird von Saison bald keine Rede mehr sein.

Besuchen Sie das Arlberg Hospiz Hotel und überzeugen Sie sich selbst von der Kunst des Gastgebers. 

Fotos © Petra Rainer; David Churchill

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