Sardinien

Reise

Mediterraner Inselzauber

Felix Furch berichtet von glasklarem Meer, unberührter Natur, dem Duft von Kräutern und Sonnenuntergängen zum Dahinschmelzen – Sardinien zum anfassen.

Wenn in Sardinien der Frühling oder Spätsommer in vollen Zügen ist, wenn die Insel wieder bunt wird und laue Winde die Temperaturen angenehm machen, wenn das Wetter am schönsten und die Gäste am wenigsten sind, dann ist es Zeit Sardinien von seiner blühendsten Seite zu erleben. Eine fast überwältigende Blütenpracht kommt zum Vorschein, die sich in der Hochsaison von Anfang Juli bis Ende August bei sengender Hitze in eine Wüste verwandelt. Von Touristengruppen keine Spur, sind die Wochen davor oder danach die beste Zeit, seine unternehmungslustige Seite zu zeigen.

Sardinien, Foodizm
Spiaggia Vecchia, Palau © www.sardinien.com

Und so machen wir uns an einem sonnigen, leicht windigen Frühlingstag auf Entdeckungstour. Es erwartet uns eine Fülle von Einkaufsmöglichkeiten, von den schicken Designer-Boutiquen in den Städten bis zu traditionellem Kunsthandwerk, Keramik, besticktem Leinen sowie Kork- und Korallenprodukten in den meisten Dörfern. Auf den Wochenmärkten erstehen wir erst einmal einige Souvenirs: regionale, handgemachte Produkte und traditionell hergestellten Pecorino. Insbesondere Alghero hat eine hervorragende Auswahl an hübschen Läden, doch auch Designer-Boutiquen, Kaufhäuser, tägliche Obst- und Blumenmärkte und wöchentliche Antiquitätenstände. In dieser fast märchenhaften Stadt findet das Leben zwischen schönen Palazzi, Kirchen, dem langen Hausstrand und den zahlreichen lebendigen Piazze statt. Cagliari, die Hauptstadt Sardiniens, bietet ähnlich gute Einkaufsmöglichkeiten mit eleganten Boutiquen und Juwelieren, außerdem Museen, Galerien und Denkmälern, welche die Geschichte der Insel erzählen. Umringt vom Meer, von Salinen, Lagunenseen und von der Sella del Diavolo – ein Felsmassiv, dessen Form an einen Sattel erinnert und auf dem man wunderbar wandern kann –, wird die Stadt zu einem Ort mit einmaliger Skyline.

Genug vom Shopping – hinein ins Innere der Insel. Von den kontrastreichen Gipfeln der Berge hat man traumhafte Ausblicke auf die Insel, besonders vom Monte Limbara im Norden, von Punta La Marmora im Gennargentu-Gebirge südlich von Nuoro im Osten und von den Sarrabus Bergen nördlich von Cagliari im Süden. Für Wanderer und Aktivurlauber gibt es Seen, Wasserfälle, Schluchten und eine faszinierende Geologie zu entdecken mit einer abwechslungsreichen Tier- und Pflanzenwelt und unglaublichen Felsformationen, die der Wind über die Jahrtausende geformt hat. Besonders sehenswert sind die Bärenfelsen am Capo d’Orso, das Tal des Mondes am Capo Testa an der Nordspitze der Insel und Arco dell’Angelo nördlich von Cagliari im Süden.

Selargius - chiesa

Auf einer Rundfahrt mit dem Auto entdecken wir die Costa Esmeralda, von der wir bis nach Korsika blicken können. Die berühmte Smaragdküste galt jahrelang als einer der exklusivsten Strände des Mittelmeers. Und obwohl dieser Küstenabschnitt etwas von seinem Glanz verloren hat, lockt er immer noch mit traumhaftem türkisblauen Meer, wunderschönen Buchten und glasklarem Wasser. Bizarre Granitfelsen umrahmen die kleinen Buchten und lassen sie immer noch zum Postkartenmotiv werden.

Die Auswahl an langen Sandstränden ist unendlich groß. Die vielen traumhaft weißen Kalksandstrände des Golfs von Orosei sind allerdings nur per Boot zu erreichen. Wir ziehen jedoch einen Kieselstrand vor und werden fündig: Der breite Kieselstrand von Marina di Gairo ist mit rot leuchtenden Prophyrfelsen und einer dichten, immergrünen Macchie eingerahmt. Von hier führt eine enge Asphaltstraße vorbei an der seit Jahrzehnten aufgrund von Rechtsstreitigkeiten geschlossenen Ferienanlage Su Sirboni in Richtung Coccorocci, dem größten Kieselstrand Sardiniens. Die schwarzen, grauen, roten und grünen groben Strandkiesel machen den einsamen Strand vor allem an stürmischen Tagen beliebt, denn hier fliegt garantiert kein Sandkorn. Wir genießen das glasklare Wasser und verbringen die Zeit beim Schnorcheln.

Wir übernachten im Hotel Bajaloglia, einem komfortablen kleinen Boutique-Hotel mit atemberaubendem Blick zum Meer. Hier lassen wir den Abend beim Sonnenuntergang ausklingen und atmen bei einem Glas Wein den würzigen Duft der aromatischen Kräuter der Umgebung in vollen Zügen.

Pecorini

Am nächsten Tag nehmen wir die kleine grüne Panoramabahn „Il Trenino Verde“, um einen etwas anderen Eindruck von Sardinien zu bekommen. Auf drei schmalspurigen Routen geht es durch die wunderbare Landschaft von Palau nach Tempio im Norden, Bosa nach Macomer in Zentralsardinien und Arbatax nach Mandas im Osten. Die Bahn fährt durch unberührte Natur, dichte Wälder und hinauf in die Berge und es ist jederzeit möglich, bei einer der vielen kleinen Stationen auszusteigen und selbst zu erkunden. Umzingelt von Schafherden begeben wir uns auf Wanderschaft.

Sardinien, foodizm
Capo d’Orso © www.sardinien.com

Der lange Spaziergang macht durstig und wir machen uns auf zu einer Führung und Weinverkostung bei Sella & Mosca in Alghero, einem der größten Weingüter in Europa mit einer fantastischen Auswahl an Weinen, ganz besonders Rotweine. Auch Oliena in der bergigen Region Barbagia im Osten genießt auf dem italienischen Festland einen hervorragenden Ruf für seine robusten, fruchtigen Cannonau Weine. Einen süßen Muskatellerwein findet man hingegen im Süden in den Dolianova Weinbergen nördlich von Cagliari.

Zu jeder Saison gibt es in Sardinien Feste und Feiertage, viele davon religiöser Natur, aber auch die Ernte und regionale Produkte werden regelmäßig in Ehren gehalten. Am ersten Sonntag im Juni findet das größte Pferdespektakel der Insel in der Nähe von Santa Lussurgiu statt. Beim Fiera Regionale del Cavallo gibt es Pferderennen, Reitkunstvorführungen und natürlich das Feinste vom Feinen der Sardinischen Küche. Am zweitletzten Sonntag im Juni feiert man in Belvì in der Provinz Nuoro das Kirschfestival, wo sowohl Kirschen aus der Gennargentu Region als auch Caschettas, die daraus handgemachten typischen Süßigkeiten, im Mittelpunkt stehen. Am dritten Sonntag im November wird das Torrone (Nougat) Festival in Cremona gefeiert. Neben Verkostungen, Ausstellungen, Konzerten und Diskussionen werden jährlich über 20 Tonnen Torrone verkauft.

Sardinien, foodizm
© www.sardinia.com

Somit sind wir beim Schlemmen angekommen. Sardiniens traditionelle Küche lässt sowohl die Früchte des Meeres, die Gewürze der Berge als auch die mediterranen sonnengereifen Früchte und Gemüsesorten in ihre Kochkunst einfließen. Wohl gemerkt immer mit verschiedenen Brotsorten und Weinen der Umgebung als Grundlage jeder Mahlzeit.

Sardiniens Gastroszene bietet alles von heiteren Pizzerien bis zu Fine Dining Restaurants. Dazwischen finden sich Agrotourismus Restaurants, die eine Auswahl an regionalen Spezialitäten servieren, wie zum Beispiel Pane Carasau (hauchdünnes Brot mit Olivenöl und Rosmarin), Wurst und Pecorinokäse, hausgemachte Nudeln wie etwa Ricotta- und Spinatravioli, gegrilltes Spanferkel (Porcheddu) und traditionelle Seadas (Käsetaschen) mit Orangenhonig und natürlich immer begleitet von Wein aus der Region. Nicht zu vergessen ein Glas Mirto (Früchtelikör) oder Limoncello (süßer Zitronenlikör) für die Verdauung.

Unsere letzte Nacht verbringen wir im Hotel Marinedda Thalasso an der Nordwestküste Sardiniens und nach einem ausgiebigen Frühstück verabschieden wir uns von der mediterranen Trauminsel. Doch wir kommen wieder.

Direktflugverbindungen zu allen drei Flughäfen der zweitgrößten Insel Italiens gibt es mittlerweile ganzjährig aus Deutschland und Österreich.

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