Drinks

Schaumweine der Welt

Über die Regionalität der prickelnden Gaumenfreuden schreibt Beate E. Wimmer.

Ich trinke Champagner, wenn ich froh bin, und wenn ich traurig bin, manchmal trinke ich davon, wenn ich allein bin; und wenn ich Gesellschaft habe, dann darf er nicht fehlen. Wenn ich keinen Hunger habe, mache ich mir mit ihm Appetit, und wenn ich hungrig bin, lasse ich ihn mir schmecken.Sonst aber rühre ich ihn nicht an, außer wenn ich Durst habe!“ Diese legendäre Antwort gab Madame Lily Bollinger vom gleichnamigen familiengeführten Champagnerhaus 1961 auf die Frage eines Reporters der Daily Mail, zu welcher Gelegenheit sie denn Champagner trinke.

Doch seit dieser Zeit hat sich die Genusslandschaft des Schaumweines nachhaltig verändert.

Schaumweine

Die Geschichte des Champagners und damit des Schaumweines begann „gefühlt“ mit dem Benediktinermönch Dom Perignon in der Abtei von Hautvillers in der Champagne. Zeit seines Lebens kämpfte der blinde Mönch gegen die zweite Gärung seines so geliebten Rebensaftes. Und als er zum allerersten Mal den (zugegebenermaßen ungewollt) prickelnden Rebensaft am Gaumen spürte, fand mit dem Ausspruch „Brüder, kommt schnell, ich trinke Sterne“ der Schaumwein seine erste emotionale Erwähnung. Tatsächlich fand er aber seine erste urkundliche Erwähnung in England im Dezember 1662, als der Arzt und Chemiker Christopher Mehret dokumentierte, „…dass die Winzer Zucker und Melasse dem Wein zusetzen, um ihn frisch zu halten und perlend zu machen“.

Nun, Sterne lieben wir auch heute noch und so verwundert es nicht, dass Schaumwein immer noch gerne zu den besonderen Gelegenheiten im Leben getrunken wird. Zu Silvester obligatorisch hat er längst auch als Aperitif in unseren Homebars seinen festen Platz erhalten und Sherry, Port & Co. verdrängt. Auf keiner Promiparty darf er fehlen und kein Schiff wird vom Stapel gelassen ohne dass ihm nicht der prickelnde Rebensaft am Schiffsrumpf hinunter läuft und das Schiff durch diese Taufe seinen Namen erhält. Übrigens war der deutsche Kaiser Wilhelm I. derart vom „Rheingold“, einem deutschen Rieslingsekt aus dem Hause Söhnlein in Wiesbaden begeistert, dass laut seinem Dekret fortan bei jeder Schiffstaufe nur noch Rheingold zerschmettert und getrunken werden durfte.

Lassen Sie uns nun auf eine Reise durch die Welt der „prickelnden Leidenschaften“ gehen. Wir begegnen ausschließlich Qualitätsschaumweinen, die nach der traditionellen Flaschengärung hergestellt sind.

Schaumweine

Champagner (Champagne, Nord-Frankreich) galt lange als das Getränk der Schönen und Reichen und ist immer noch die Perle unter den Schaumweinen. Er vermittelt einen Hauch von Luxus und Exklusivität, hinterlässt eine Spur von Dekadenz, Verruchtheit und Einzigartigkeit. Immer noch ist es auch bei Geschäftsessen „höflicher“ dem Gast einen Champagner anzubieten als einen Sekt oder Schaumwein aus einer anderen Region.

Champagner zählt wohl zu den am strengsten reglementierten und kontrollierten Weinen dieser Welt. Sieben Rebsorten sind zugelassen, wobei 99% der Gesamtproduktion die Hauptrebsorten Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier ausmachen und die einzigartige Charakteristik bestimmen. Nur Schaumweine aus dem Gebiet der Champagne dürfen sich auch Champagner nennen. Der Bezeichnung „méthode champenoise“, welche nichts anderes als traditionelle Flaschengärung bedeutet, ist ausschließlich der Champagne vorbehalten. Rund 350 Millionen Flaschen werden jährlich produziert. Dabei finden wir günstige Discount-Qualitäten bis hin zu „Millesimes“, Champagner aus besonders guten Jahrgängen.

Deutscher Winzersekt kann heute durchaus mit dem Edelgetränk aus der Champagne mithalten. In der heutigen Zeit kaufen Kenner Regionalität, also Produkte aus der Region. Gerade die jungen Winzer in Deutschland, deren Vorfahren die Pioniere der deutschen Sektherstellung waren und früh nach Frankreich gingen, um Erfahrungen zu sammeln, zaubern heute außergewöhnliche Qualitäten in die Flaschen. In den Weinkarten der Sterne-Gastronomie und Haute Cuisine dürfen die edlen Tropfen heute nicht mehr fehlen. Deutscher Winzersekt avanciert zur internationalen Marke und ist laut Kennern der Szene auf Augenhöhe mit Marken wie Mercedes-Benz, Hugo Boss sowie Lange & Söhne.

Elegante Crémants (Frankreich) von der Loire, aus dem Elsass oder dem Burgund machen uns ebenso die Wahl zur Qual. Sie sind die preiswerte Alternative zum Champagner. Die Trauben stammen ebenfalls aus kontrolliertem Anbau und zeigen ihre Charakteristik durch die jeweils aus der Region stammende Rebsorte. Der Crémant zeigt sich weicher am Gaumen, da er weniger Druck (3,5 bar) hat. Das gibt dem Genießer ein seidiges Mundgefühl durch eine feinere Perlage.

Schaumweine, Foodizm

CAVA (Spanien, Penedès u.a.), so heißt Spaniens charakterstarke Antwort auf das Edelgetränk aus der Champagne. Cava heißt Keller und die schäumenden Köstlichkeiten reifen in den kühlen Kellern der Bodegas. Vor dem Beitritt Spaniens in die EU nannten die Spanier ihren Schaumwein Champana, was ihnen jedoch folglich dann verboten wurde. Übrigens: den echten CAVA erkennen Sie immer am eingebrannten Stern auf dem Korken.

Prosecco Spumante (Italien, Venetien) stammt ebenso wie seine Kollegen aus kontrolliertem Anbau. Prosecco DOC oder DOCG ist seit dem 1.Januar 2010 eine Herkunftsbezeichnung und wird aus der Rebsorte Glera (vormals Prosecco) hergestellt. In den 80er Jahren hielt Prosecco Einzug in die Gläser der Genießer und es entwickelte sich ein solcher Hype, dass selbst Paris Hilton dieses Getränk in Dosen vermarktete. Mittlerweile reiht sich der Prosecco köstlich in die Riege seiner schäumenden Kollegen ein.

Darauf sollten Sie achten: der Spumante hat durch sein Herstellungsverfahren immer mehr Kohlensäure. Sein „kleiner“ Kollege Frizzante ist erkennbar durch den Faden auf dem Naturkorken und zählt zu den Perlweinen. Durch den geringeren Druck unterliegt er nicht der Schaumweinsteuer (ein Relikt aus dem Jahre 1902 zur Finanzierung der kaiserlichen Flotte) und ist in der Regel billiger als sein großer Bruder. Was aber durchaus kein Qualitätsmerkmal sein muss…

Franciacorta (Italien, Lombardei) – die feinen Perlen Italiens. Fundstücke wie Weintraubenkerne aus der prähistorischen Zeit sind Zeugen von einer langen Tradition. Die Franciacorta ist ein herrliches Fleckchen Erde ganz in der Nähe der Stadt Brescia. Sie wird zu Recht „die Champagne Italiens“ genannt.

Auch für diesen qualitativ sehr hochwertigen Schaumwein sind die Rebsorten und die Herkunftsbezeichnung streng geregelt. Chardonnay, Pinot Bianco und Pinot Nero sind erlaubt. Nur Trauben aus diesem Gebiet und von Hand selektioniert dürfen den Namen dieser Region tragen. Wenngleich auf den ersten Blick scheinbar erkennbare Parallelen zur Champagne bestehen, so können diese Regionen nicht unterschiedlicher sein. Böden, Klimaten und auch die Ertragsmenge unterscheiden sich erheblich.

Krimsekt (Ukraine) – ursprünglich durften nur Trauben aus der Region zur Herstellung von Krimsekt verwendet werden. Die fruchtbaren Böden und das milde Klima am Schwarzen Meer brachten wunderbare und einzigartige Schaumweine hervor. Heute dürfen auch aus anderen Regionen Trauben für den Krimsekt verarbeitet werden.

Als Speisenbegleiter eignen sich Qualitätsschaumweine (traditionelle Flaschengärung) aufgrund ihres Facettenreichtums, ihrer vielfältigen Geschmacksrichtungen und nicht zuletzt ihrer gesetzlich vorgeschriebenen Hefelagerung ganz hervorragend. Eine längere Hefelagerung verleiht dem Schäumer mehr Komplexität, tiefere Struktur und gibt ihm eine längere Lagerfähigkeit.

Am Ende unserer Reise durch die Welt der „Qualitätsschaumweine“ kann ich mir einen kleinen Rat nicht verkneifen: Man muss nicht in Champagner baden, um glücklich zu sein, es reicht auch ein 5-Gänge-Menü mit korrespondierenden Schaumweinen.

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