Reise

Unwiderstehlich italienisch – einfach Sizilien

Sizilien vereint das gesamte Wesen Italiens in sich – eine Insel voller kulinarischer Feste, atemberaubender Kultur und kurvenreicher Straßen, wie Sophie Cater herausfand.

Italienischer geht es nicht: mit 130km/h flitze ich in meinem Fiat Panda auf der Mittelspur der Autobahn dahin. Bestimmt nicht das letzte italienische Klischee, was sich in Sizilien für mich erfüllen wird. Ausgestattet mit unzähligen Empfehlungen und Erwartungen – von der reichen Kultur, der historischen Pracht, dem traumhaften Wetter, der erstklassigen Gastronomie und den Produkten bis hin zu den erschreckenden Straßen und dem Mafia-Unterton – geht es für mich erst einmal entlang der Nordküste der Insel vom Flughafen in Palermo zu meiner ersten Villa.

Ich versenke mich voll und ganz in mein sizilianisches Fahrerlebnis – eine Fahrt gespickt mit dem einen oder anderen waghalsigen Manöver, Haarnadelkurven und Feldwegen. Eineinhalb Stunden später erblicke ich die Villa Casa Nuvola: Über der Stadt Cefalù an der Nordküste Siziliens gelegen, begrüßt mich ein Chor von zirpenden Grillen. Mit einem Glas Hauswein in der Hand und klarem Himmel über mir lehne ich mich genüsslich zurück und atme die würzige Landluft ein.

Am nächsten Morgen strahlt die Sonne von Siziliens Küste über die Poolterrasse hinein in die Fünfzimmervilla. Nach ein paar Längen im Pool und einem Sonnenbad spaziere ich die kurvige Straße hinunter nach Cefalù, um ein paar italienische Knabbereien zu besorgen. Zwei Stunden später kehre ich mit einem reichen Vorrat von regionalen Speisen und salzüberzogener Haut von einem Bad im Meer zurück.

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Cefalù liegt zwischen La Rocca – einer hoch aufragenden Granitsteinwand – und einer sandigen Bucht und rühmt sich mit einer einzigartigen Geschichte und Kultur. Zuerst von den Griechen bewohnt, wie so viele Orte in Sizilien, fiel die Stadt in die Hände der Römer, der Byzantiner, Araber, Normannen und schließlich der Italiener. Und jede dieser Eroberungen ist erkennbar. Die normannische Kathedrale aus dem Jahr 1131 steht im Zentrum der kleinen Stadt, zu ihren Füßen der Marktplatz und die mäandernden mittelalterlichen Straßen des historischen Zentrums. Im Labyrinth der Straßen befinden sich Läden, die regionale Produkte verkaufen, handgemachte Keramik, Kunst und Kleidung; Cafés, wo sich Einheimische tummeln und die Welt bei einem Kaffee oder Bier an sich vorbeiziehen lassen; und Restaurants, aus deren offenen Türen frisch gekochter Fisch und andere hiesige Köstlichkeiten herausduften. Wichtig auch (zumindest für mich), dass fast jede Straße eine eigene Eisdiele hat, wo Gelato in allen möglichen Geschmacksrichtungen dargeboten wird und Touristen und Einheimische sich gleichermaßen daran erfreuen.

Beim Schlendern in Richtung Küste ragt ein Streifen Sandstrand, der alte Hafen, unterhalb kunterbunter Häuser und Balkone hervor und das glasklare, türkisfarbene Mittelmeer bietet eine wunderbare Erfrischung zur Stadthitze. Alle Hände voll mit Cannoli (ein sizilianisches Gebäck zurückzuführen auf die Araber, bei dem eine Ricottafüllung mit süßem, knusprigem Teig umhüllt wird), Arancini (frittierte Reisbällchen), Caciocavallo (ein Käse in Tropfenform), Mozzarella, Wurstwaren und frischem Gemüse, geht es wieder den Berg hinauf zurück zur Casa Nuvola.

Cefalu, Sizilien
Cefalu, Sizilien

Am nächsten Tag mache ich mich auf, die Ostseite der Insel zu erkunden. Doch ein Erdrutsch hat die einfachere und landschaftlich schönere Strecke entlang der Küstenstraßen der Insel abgeschnitten. Die einzige Alternative ist, auf einer langen und kurvenreichen Straße durch die Berge zu fahren. Fünf Stunden lang fahre ich durch das Madonie Bergmassiv – durch grüne Täler, vorbei an malerischen Dörfern, die wie eine Ansammlung von Streichholzschachteln auf den Bergspitzen aussehen – Richtung Catania, eine Stadt, die im Schatten des Ätna, Europas größtem aktiven Vulkan, liegt. Der Ort wurde im 17. Jahrhundert von Lava und später durch ein Erdbeben zerstört, hat sich die Lava aber zunutze gemacht und viele der barocken Bauten damit neu erbaut, unter anderem die St. Agata Kathedrale, das Diözesanmuseum und den Palazzo Biscari auf dem Domplatz. Porta Uzeda, Catanias Fischmarkt, zeigt sich authentisch italienisch – und fast unverändert seit hunderten von Jahren – mit lebhaftem, geschäftigem Treiben und dem besten frischen Fisch, den man sich vorstellen kann. Auch ein Besuch im Norden der Stadt zahlt sich aus, wo die griechische Antike eine vorherrschende Rolle spielt, und zwar in Form von drei Amphitheatern, die erstaunlicherweise die Vulkanausbrüche und Erdbeben überlebt haben. Rund um die Theater befindet sich eine schöne Auswahl an Restaurants, die Catanias Markenzeichengericht Pasta alla Norma (mit Auberginen, Tomaten und salzigem Ricotta) anbieten.

Zurück auf der langen und kurvenreichen Straße geht es diesmal nur eine halbe Stunde gen Norden zu meiner nächsten Villa, Ortensia, die an den Hängen des Ätna liegt. Die kubische Luxusvilla ist umgeben von Orangen- und Olivenbäumen, und schon bald lasse ich mich im privaten Pool treiben. Im Inneren sind die Wände mit Pflanzen, antiken Ornamenten, sizilianischer Keramik und moderner Kunst geschmückt, und die vom Boden bis zur Decke reichenden Fenster bieten einen spektakulären Meeres- beziehungsweise Bergblick. Perfekt gelegen ist Ortensia als Ausgangspunkt für einen Besuch in einer Weinkellerei und um den majestätischen Ätna so richtig zu erkunden.

Eine kurze Autofahrt von der Villa entfernt liegt Benanti, ein seit Jahrhunderten familiengeführtes rustikales Weingut, das einen interessanten Einblick in die Weinerzeugung auf Lavagestein bietet. Angebaut werden die Benanti-Reben auf den Hängen des Ätna im schwarzen Vulkanboden. Bewirtet werde ich von der freundlichen Sommelière Valentina, die mich auf eine Tour durch die Weinberge mitnimmt, um mir die Unterschiede der einzelnen Reben je nach Terroir, Höhenlage und Wetterbedingungen zu erklären. Das Haus im Weingut » « gehört Giuseppe Benanti und seinen beiden Söhnen und beherbergt neben Giuseppes beeindruckender Kunstsammlung auch das original „Palmenti“ Zimmer, wo Trauben gepresst wurden.

Benanti
Benanti

Als ich eintrete, fängt ein Pianist an eine dramatische Melodie zu spielen und Giuseppe stimmt Operngesang an. Ich frage mich, ob dies wirklich eine einmalige Angelegenheit ist, wie mir versichert wird… es ist fast zu perfekt. Anschließend darf ich eine Reihe exklusiver und seltener Weine der Weinkellerei gepaart mit Essen probieren. Sie reichen von leichten und erfrischenden weißen bis hin zu temperamentvollen roten Jahrgängen. Zu jedem Glas gibt es Erklärungen und Empfehlungen von Valentina, die mir Wurstwaren, Oliven, Käse und Bruschetta reicht, und als ich mich an die Verkostung mache, tauchen immer wieder Giuseppe, der Pianist und Antonio – Giuseppes Sohn – auf und plaudern und scherzen, als wäre ich Teil der Familie. Nach fünf Gläsern Wein ist es dann aber Zeit, mich mit dem Taxi die qualvollen Straßen zurückbringen zu lassen, um eine hausgemachte Lasagne (frisch zubereitet von der Haushälterin der Villa) mit einem letzten Tropfen meines neuen Lieblingsweins zu genießen.

Am nächsten Morgen taucht die Spitze des Ätna aus der Wolkendecke auf, ein wirklich majestätischer Anblick, aber noch atemberaubender ist es, tatsächlich auf dem Vulkan herumzuspazieren. Mit Etna Finder, einem Anbieter, der sich auf maßgeschneiderte Touren spezialisiert, seien es Wein-, Geländewagen- oder Trekkingtouren rund um den Vulkan, starte ich meine Erkundung. Auf dem Ätna gibt es sogar zwei Skigebiete, die zwischen November und März geöffnet sind und guten Schnee, Vulkanrauchwolken und einen Blick über das Ionische Meer bieten. Wie auch immer man sich dem Ätna nähert, es ist ein beeindruckendes Erlebnis und eine seltene Gelegenheit, auf dem höchsten aktiven Vulkan Europas spazieren zu gehen.

Zurück im Auto geht es zur nächsten Haltestelle entlang der Ostküste, wo ich in Siziliens überwältigende Geschichte von altertümlich bis modern eintauche. Erste Station ist das antike griechische Amphitheater über Taormina, eine der berühmtesten Ruinen Siziliens und eine magische Kulisse für Theateraufführungen, Opern und Konzerte, mit Blick auf die weitläufige Küstenstadt und natürlich dem Ätna im Hintergrund.

Nur 20 Autominuten entfernt vom Theater, auf einer erneut kurvigen Straße hinauf in die Berge, öffnet sich ein Fenster in Siziliens modernere (Mafia-) Geschichte: das Dorf Savoca, wo Der Pate teilweise gefilmt wurde. Es lohnt sich, wenn man in der Gegend ist, an den Touristenscharen vorbeizuschauen und die wunderschöne Kirche, die traditionelle Bar und den spektakulären Blick durch das Tal hin zum Meer zu genießen, in meinem Fall mit einer Granita (ein erfrischendes Dessert aus Eis, Zucker und Zitrone) in der Hand.

Die letzten paar Tage in Sizilien verbringe ich mit Sonnenbaden und dem Verkosten regionaler Spezialitäten in der Casa Nuvola. Am Abend mache ich Abstecher zu den örtlichen Restaurants. In Cefalù hält man sich besser von der Touristenmeile fern und begibt sich ans Ende des historischen Zentrums zum familiengeführten Restaurant Locanda del Marinaio. Hier verköstigt die Familie sowohl Einheimische als auch angereiste Genießer, die ihre Küche einfach, aber elegant lieben, mit frischem Fisch und regionalen Weinen.

An meinem letzten Abend unternehme ich eine etwas längere Fahrt in das Dorf Castelbuono in den Madonie Bergen, wo ich die bisher authentischste köstliche Mahlzeit genießen darf. Doch wäre diese Erfahrung nie so authentisch geworden, hätte ich nicht erneut mit der Qual der Straßen zu kämpfen. Fast im Dorf angekommen, stecke ich auf einmal auf einem unheimlich steilen Feldweg fest und die Handbremse stellt sich bald als nutzlos heraus – ein steiler Abhang hinter mir, ein geparkter Fiat Panda einen Meter vor mir. Nach 20 Minuten Panik und minutiösen Fahrmanövern ist all dies aber die Mühe wert, als ich im Nangalarruni Restaurant ankomme. Das rustikale, mit Bildern dekorierte Restaurant ist voller Einheimischer, die sich Gerichte mit Pilzen, Käse, Fleisch und Pasta schmecken lassen. Der Inhaber und Küchenchef schwirrt umher, plaudert angeregt mit Gästen, während diese sich an seiner ausgezeichneten Küche erfreuen. Ein wahrer Genuss, diese Köstlichkeiten probieren und die Atmosphäre erleben zu dürfen. Damit ist mein Aufenthalt in Sizilien komplett. Die Insel hat alles und noch so viel mehr als das, was mir versprochen wurde: unwiderstehlich italienisch eben.

Casa Nuvola ist exklusiv durch The Thinking Traveller zu buchen und kostet €3.810 pro Woche für 10 Personen auf 5 Zimmern. Ortensia, ebenso exklusiv durch The Thinking Traveller zu buchen, kostet €3.890 pro Woche für 4 Personen auf 2 Zimmern oder €4.850 pro Woche für 8 Personen und 4 Zimmer.

Um selbst auf eine unvergessliche Reise nach Sizilien zu fahren, besuchen Sie www.thethinkingtraveller.com/de/thinksicily

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