Gourmet

Witzigmanns Schüler: Christian Jürgens

Wir nehmen die Karriere von Witzigmanns ehemaligen Schülern unter die Lupe. Dieses Mal berichtet uns Christian Jürgens, Dreisternekoch im Restaurant Althoff Seehotel Überfahrt am Tegernsee.

Einmal mit Eckart Witzigmann zu arbeiten, das war immer mein Traum, auch schon früher, als ich meine Lehre gemacht habe. Damals hatte ich ein Buch von Eckart Witzigmann in die Hand bekommen und gesagt: Irgendwann! Irgendwann möchte ich einmal in der Aubergine arbeiten und das große Glück haben mit Eckart Witzigmann zusammen zu kochen.

Ich kannte Eckart Witzigmann aus meiner Zeit in München, als ich im Tantris arbeitete, weil einer meiner besten Freunde bei ihm in der Aubergine ebenfalls in München arbeitete und wir uns nach der Arbeit des Öfteren gegenseitig abgeholt haben. Dabei konnte ich auch einige Male den Chef in der Aubergine antreffen.

Ich hatte in Sylt meinen letzten Arbeitstag und habe von dort aus – meinem Traum folgend – kurzerhand in der Aubergine beim Chef Witzigmann angerufen und gefragt: „Ich würde gerne für Sie arbeiten, würden Sie noch einen Koch einstellen?“ Wir kannten uns ja schon ein wenig und er meinte, ja na klar, wann kannst du denn anfangen? Ich antwortete: „Ich bin jetzt noch auf Sylt und muss heute noch einen Abendservice kochen; wenn es sein muss, bin ich morgen da.“ Er meinte, ganz so eilig muss es nicht sein. Davon ließ ich mich jedoch nicht abhalten. Ich wollte die Chance unbedingt ergreifen und bin noch nach dem Abendservice von Sylt nach München gefahren. Dort in der Nacht angekommen, habe ich vor der Aubergine im Auto übernachtet. Am Morgen habe ich mich dann im Müller‘schen Volksbad schnell frisch gemacht und mich dann gegen 10:00 Uhr beim Chef vorgestellt.

Er empfing mich überaus freundlich und nach einem kurzen Gespräch meinte er auf einmal: „Junge, du hast ja weder gefrühstückt noch sonst irgendetwas gegessen, komm, ich koch dir schnell was.“ Dieses „…ich koch dir schnell was“ waren am Ende fünf Gänge, einer grandioser als der andere. Damit war auch schon alles bezüglich meiner Mitarbeit geregelt und ich durfte meine Personalwohnung beziehen, die er mir bereitstellte, und  zwei Tage später habe ich angefangen zu arbeiten.

Man sieht, mit wie viel Liebe und handwerklicher Perfektion [Eckart Witzigmann] arbeitet.
Christian Jürgens

Besonders beeindruckt hat mich, wie er es versteht, mit  Lebensmitteln umzugehen. Diese Kreativität, diese handwerkliche Perfektion und das Zusammenfügen der verschiedenen Aromen. Ihm beim Kochen zuzusehen war fantastisch. Jeder der kocht, der ihm mal beim Kochen zusehen durfte – selbst wenn er keine Ahnung vom Kochen hat –, dem geht das Herz auf. Das ist etwas ganz Außergewöhnliches, ein Erlebnis, was mich damals tief beeindruckt hat.

Man sieht und spürt geradezu, mit wie viel Liebe und handwerklicher Perfektion er arbeitet. Und dann noch eine Spur Genialität wie sie nur wenige haben. Ich freue mich sehr, dass ich heute zu ihm „du“ sagen darf. Es ist zwar immer noch nicht das „Hallo Eckart“, sondern das „Hallo Chef, wie geht’s dir“, aber es ist für mich eine Ehre und es ist der große Respekt, der einfach da ist.

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin extrem stolz mit Eckart Witzigmann gearbeitet zu haben. Seine außergewöhnliche Persönlichkeit, da bin ich mir sicher, hat mich sehr geprägt.

Um seine Gerichte zu genießen, besuchen Sie Christian Jürgens’ Restaurant Überfahrt

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