Künstler, Arne Quinze

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Arne Quinze spielt mit dem Chaos

Aus Holz, Metall und Glas schafft der belgische Künstler Arne Quinze monumentale Installationen von hypnotisierender Schönheit. Von Eva-Luise Schwarz

Wie wird man zum Künstler? Arne Quinze hat keine Antwort auf meine Frage. Er wurde so geboren, erzählt er mir, mit Künstlerblut in seinen Adern. Der Belgier bereitet sich gerade auf eine neue Ausstellung im Marta Herford vor, ein Museum für zeitgenössische Kunst mit besonderem Blick auf Architektur und Design.

Quinze und sein Team arbeiten seit Monaten fieberhaft an der neuen Installation, doch die Entwicklung des Projekts ist schon seit Jahren in Arbeit, wie er mir erzählt: „Für Marta Herford kreiere ich einen Dschungel aus den verschiedensten Materialien: Stahl, Aluminium, Stein und auch Glas. Das Projekt habe ich in den vergangenen zwei Jahren entwickelt. Wenn du eine Idee hast, ist das, als würdest du in eine neue Welt steigen, in der du dich erst zurechtfinden musst. Zwischen den Zeichnungen und dem ersten Modell vergehen Monate in denen ich mich immer wieder in Frage stelle. Ich liebe es, mit dem Thema Chaos zu arbeiten und eine gewisse Balance zu finden. Denn es gibt kein Chaos, nur den Rhythmus.“ Quinzes Werke orientieren sich an der Natur.

Als Junge bemalte er Wände, als Jugendlicher sprühte er Graffiti auf Züge und Straßen, denn er wollte Farbe in die grauen Städte bringen und den Rhythmus der Menschen verlangsamen, damit sie miteinander interagieren. Er will Dialoge kreieren und die Schönheit der Blumen und die magischen Kombinationen der Natur in seinen farbenprächtigen Installationen aufleben lassen. In seinem Stahlatelier in Ghent und seinem Studio in Shanghai formen sich über viele Monate chaotisch schöne Skulpturen, die er in Museen, aber auch an öffentlichen Orten, ausstellt. Er erzählt: „Es macht einen großen Unterschied, ob man Installationen in einem Museum oder öffentlich ausstellt. Im Museum befinden wir uns in einem geschützten Umfeld. Kunstkenner wissen, hier können sie Kunst sehen und darüber sprechen. Aber das sind nur 1% der Bevölkerung. Ich versuche, die anderen 99% zu erreichen, die nicht in Kontakt mit Kunst sind, die eine andere Wahrnehmung haben und anders kritisieren. Aber letztendlich mache ich diese Kunstwerke nicht, damit sie allen gefallen, sondern sie sollen eine Anregung zur Kommunikation sein, ein Ort, wo man zusammenkommt und miteinander spricht.“

Als er vor 20 Jahren seine Ideen vorstellte, wollte niemand an ihn glauben. Heute treten Museen und Städte an ihn heran. In seinen Werken vereint Quinze die Schönheit des Dschungels mit dem von ihm als „unmöglich“ definierten Chaos.

Wenn er mit Abwechslung, Form und Farbe Lebensräume bereichern kann und mit den Identitäten seiner Kunstwerke für reichlich Gesprächsstoff unter den Leuten sorgt, dann, so Quinze, hat er sein Ziel erreicht. 

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