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Lifestyle

In den Straßen von Hamburg

Steife Brise. Frischer Fisch. Ehrlicher Schnack. Vom Michel bis zum Fischmarkt regiert die gute alte Hamburger Manier. Doch unfern des traditionellen Kerns Hamburgs entwickelt sich ein neues Hamburger Leben. Die Welt des klassischen Gentleman. Von Tim-Ole Mundt 

 

Ähnlich eines Generationskonflikts versuchen sich die historische Speicherstadt und die geradlinige Silhouette der neuen HafenCity zu arrangieren. Es ist ein imposantes Miteinander aus modernen Bürokomplexen, alten Speicherbauten, Restaurants und Cafés, zwischen denen sich dann und wann ein Elbfleet auftut, um eine Barkasse passieren zu lassen.

Hamburg ist eine Stadt der Mode. Zumindest galt das lange Zeit so. Sie könnte immer noch eine sein, denn Hamburg und Mode, das passt einfach zusammen. Punkt.

Hamburg, die Stadt, die sich nicht durch die Schnelllebigkeit beliebiger Trendbewegungen definiert, ist ein gutes Pflaster für feine Küche, wertige Stoffe und gute Manieren. Modisch gesehen spielt in Hamburg nicht der hippe, sondern der klassische Großstädter die Hauptrolle. So gesellen sich zu den etablierten Spielern der großen Modehäuser verstärkt auch lokale Marken mit seriösen Ambitionen in das Angebot von Boutiquen und Ausstattern.

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Insbesondere der Markt für den klassischen Gentleman im modernen Kostüm gerät zu einem Ort der Entfaltung und Wirkungsstätte junger Designerlabels, die voller Respekt, aber ohne Demut ihren Platz in den Auslagen etablierter Kaufhäuser suchen. Ganz nach dem Motto: Der Kunde ist König und der Kunde ist Man(n) entsteht in Hamburg eine neue Bewegung, die sich den Mann als Fixpunkt ihrer Markenwelt beziehungsweise ihres Wirkungsraums erwählt hat. Der Gentleman als Ausdruck von Männlichkeit per se.

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Es ist mehr als bloß die Kleidung, die einen Mann zum Gentleman macht. So weit bekannt. Doch ganz ohne entsprechenden Kleidungsstil bleibt der Mann Mann, sei er noch so gentle.

Eine bestimmte Art von Kleidung versteht sich seit jeher als stetiger Begleiter des Gentleman und man scheint in letzter Zeit eine Art Rückbesinnung zu alten Tugenden zu beobachten.

Charakteristische Merkmale der Herrenausstattung, die über das Dandytum und die Maßschneiderei hinausgehen, rücken zunehmend in den Fokus: Als letztes Detail zum gelungenen Auftritt bieten Accessoires dem Mann eine Möglichkeit der Selbstinszenierung, die sich für das geschulte Auge klar von der bloßen Selbstdarstellung abgrenzt. Nicht immer ausgefallenere Dreiteiler, sondern eine klassische Farbpalette, moderne Schnitte und stimmige Accessoires, die der Kleidung die notwendigen Charaktermerkmale verleihen.

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Thema Subkultur: Der Hamburger Peacock.
In Anlehnung an den Pitti Peacock – eine Gattung Mann, die sich durch stundenlanges Flanieren auf den öffentlichen Plätzen von Florenz in der Nähe der größten europäischen Männermodemesse, der Pitti Uomo, und insbesondere durch ihre ausgeprägte Detailverliebtheit bei der Gestaltung ihres Outfits auszeichnet – entwickelt sich mit dem Hamburger Mann eine eigene Form des Pfaus, urbaner, aber nicht minder charmant oder schlecht gekleidet als die klassische Version des Gentleman. Diese (wieder) moderne Form Mann hat einen Schneider des Vertrauens, kombiniert Einstecktuch mit Binder und achtet auf farblich abgestimmte Socken. Ganz im Gegensatz zum Pitti Peacock lässt sich der Hamburg Peacock weniger regelmäßig in großen Gruppen flanierend auf öffentlichen Plätzen blicken, trägt jedoch ebenso gern neugewonnene Detailverliebtheit zur Schau. Unaufdringlich, also in typisch hanseatischer Manier.

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Seine neueste Errungenschaft: das Einstecktuch. Vielmehr die Kombination aus Einstecktuch mit einem weiteren Accessoire in farblicher Abstimmung. Ein Bild, das wir in Hamburg gern zu Gesicht bekommen. Denn das ist der Hamburger Zeitgeist: Zu Speicherstadt, Barkassen und Fischbrötchen gesellen sich HafenCity, Sternegastronomie und Einstecktücher. Interessant, finden wir.

Fotos © Tim Köck

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